365-Tage-Projekt: Definition, Geschichte, Erfahrungen und Anleitung
In diesem Blog-Beitrag dreht sich alles ums 365-Tage-Projekt: was es ist und wie du selbst ein 365-Tage-Projekt startest und durchhältst – inklusive persönlicher Erfahrungen und konkreter Tipps aus zehn Jahren Praxis.
365-Tage-Projekte oder kurz #365 oder #threesixtyfive gibt es viele und das Grundprinzip ist immer dasselbe: Du beschäftigst dich 365 Tage lang jeden Tag mit einer bestimmten kreativen Ausdrucksform. Das kann Musik, Zeichnen, Häkeln, Schreiben oder Fotografieren sein.
In diesem Blog-Beitrag geht es ausschließlich um ein 365-Tage-Fotoprojekt, im Folgenden 365-Tage-Projekt oder 365 genannt. Ich gebe hier mein Wissen und meine Erfahrung rund ums 365-Tage-Projekt weiter – und nach zehn Jahren 365 blicke ich auf jede Menge Erfahrung zurück. 🙂
Wenn du also schon immer wissen wolltest, was ein 365-Tage-Projekt ist, oder selbst ein solches Projekt starten möchtest, ist dieser Blog-Artikel genau richtig für dich.
Ich hoffe, dass ich dir mit diesem Beitrag helfen kann, dein eigenes 365 zu starten. Bei Fragen schreib mir gern eine E-Mail an info [@] fotos-lommatzsch.de oder kommentiere diesen Beitrag. Ich freue mich auf deine Rückmeldung!
365-Tage-Projekt: Definition
Bei einem 365-Tage-Projekt fotografierst du ein Jahr lang jeden Tag mindestens ein Foto – das Tagesfoto. Du kannst thematisch frei arbeiten oder einem bestimmten Thema folgen. Sofern du mehrere Fotos an einem Tag fotografierst, suchst du dir daraus ein Foto als Tagesfoto aus.
Wichtig dabei ist nicht Perfektion, sondern Kontinuität: dass du auch an stressigen, langweiligen oder unkreativen Tagen dranbleibst. Wichtigster Tipp vorab: Hab‘ immer eine Kamera dabei! 🙂
365-Tage-Projekt: Entstehung und Geschichte
Die Idee des 365-Tage-Projekts stammt aus der Kunst- und Kreativszene. Künstler*innen, Designer*innen und Fotograf*innen fordern sich heraus, ein Jahr lang täglich kreativ zu arbeiten.
Das Grundprinzip ist immer ähnlich: sich ein Jahr lang konsequent jeden Tag einer bestimmten Kunstform wie zum Beispiel Musik, Zeichnen, Häkeln, Schreiben oder eben Fotografieren zu widmen.
Ziel ist es, das eigene Leben oder Alltägliches dokumentarisch festzuhalten und etwas Kreatives zu erschaffen. Weitere Ziele: persönliche Reflexion, das Entwickeln von Disziplin und Durchhaltevermögen, das Überwinden von Blockaden, die Verbesserung fotografischer Fähigkeiten und das Erkennen persönlicher Entwicklung über einen längeren Zeitraum.
Die Ursprünge des fotografischen 365-Tage-Projekts lassen sich nicht eindeutig auf eine einzelne Person oder ein spezifisches Projekt zurückführen. Verschiedene Fotograf*innen beginnen unabhängig voneinander, täglich ein Foto über ein Jahr hinweg aufzunehmen.
Die ersten bekannteren 365-Tage-Projekte werden von den Künstler*innen auf eigenen Blogs präsentiert. Durch Flickr oder Instagram wird es später noch leichter, die täglichen Fotos zu teilen und Aufmerksamkeit dafür zu bekommen. Gleichzeitig wird es dadurch auch einfacher, sich gegenseitig zu motivieren und kreativen Input zu teilen.
Mein 365-Tage-Projekt: Erfahrungen aus zehn Jahren
Meine Motivation für ein 365-Tage-Projekt
Vielleicht startest du ein 365-Tage-Projekt aus Neugier oder um eine kreative Routine zu entwickeln. Oder du möchtest deine fotografischen Fähigkeiten verbessern, bewusster (und intensiver) beobachten oder einfach ein ganzes Jahr in Bildern dokumentieren.
Ich starte 2014 mein erstes 365-Tage-Projekt, weil ich mehr und regelmäßig fotografieren möchte. Das funktioniert bei mir zum Glück nicht nur beim ersten 365, sondern auch bei all meinen neun folgenden 365-Tage-Projekten sehr gut. Einzig 2025 bildet da bislang eine Ausnahme.
Das 365-Tage-Projekt motiviert mich, kleine Schönheiten, Besonderheiten oder Alltägliches in meiner Umgebung auf Fotos zu sammeln. Außerdem bringt mich das Projekt an vielen Tagen dazu, überhaupt vor die Tür zu gehen, um ein Motiv zu finden. Das ist tatsächlich ein bisschen wie mit einem Hund, der vor die Tür muss. Bewegung und frische Luft gibt’s also oft gratis obendrauf.
Begonnen als eine Art (Selbst-)Experiment ist das tägliche Foto für mich inzwischen ein liebgewonnenes Ritual. Ich habe einiges über Fotografie und über mich selbst gelernt. Ein weiterer, sehr schöner Nebeneffekt: Ich habe für die einzelnen Projektjahre ein Foto-Tagebuch voll mit Erinnerungen oder etwas hochgestochener ausgedrückt: eine visuelle Dokumentation meines Lebens.
Meine sieben Regeln für mein 365-Tage-Projekt
Ich habe von Anfang an Regeln für mein 365-Tage-Projekt aufgestellt. Im Laufe der Jahre habe ich diese leicht abgewandelt. Folgende sieben Regeln haben sich die letzten Jahre über bewährt:
- Ich fotografiere konsequent jeden Tag ein Foto.
- Kamera und Objektiv wähle ich frei.
- Thematisch gibt es keine Einschränkungen.
- Ich präsentiere die Tagesfotos im Quadrat.
- Für jedes Tagesfoto suche ich einen Musiktitel aus, der mich an dem Tag als Ohrwurm begleitet hat oder der für mich zum Motiv passt.
- Für diejenigen Tage, an denen ich (zumeist wegen Krankheit) kein Tagesfoto gemacht habe, kann ich auf ein zeitnah fotografiertes Ersatzfoto zurückgreifen.
- Das 365 soll vor allem Spaß machen. Wenn ich keine Lust mehr auf das Projekt habe, darf ich aufhören.
Grundpfeiler und Regel Nummer 1 ist und bleibt natürlich das eine tägliche Foto. Ein Ersatzfoto ist möglich, aber immer nur als Ausnahme, für einen üblen Krankheitstag zum Beispiel. Ansonsten mache ich mir beim 365 keinen unnötigen Druck mit zu engen Vorgaben. Es ist – bei allem Ehrgeiz, den ich habe, jeden Tag ein zumindest halbwegs gelungenes Foto zu machen – am Ende doch nur ein Fotoprojekt.
Ich habe mich für eine einheitliche Präsentation meiner Tagesfotos entschieden. Seit Dezember 2014 erstelle ich ausschließlich Quadrate mit weißem Rahmen und einem kleinen „slo“ links unten im Foto als Signatur. Außerdem nummeriere ich meine Fotos fortlaufend: 1/365, 2/365, 3/365 …
Monatsmosaik, Lieblingsfoto des Monats, Statistik und Zwischenfazit
Als Zugabe erstelle ich zu jedem vollendeten Monat aus den Tagesfotos des Monats ein sogenanntes Monatsmosaik und wähle mein Lieblingsfoto des Monats.
Außerdem reflektiere ich monatlich ein wenig darüber, wie der vergangene Monat beim Projekt gelaufen ist. Als kleine Spielerei erstelle ich zudem für jeden Monat eine Mini-Statistik mit Zahlen zu verwendeten Kameras und Objektiven.
Für Juli 2024 sieht mein Zwischenfazit samt Mini-Statistik zum Beispiel so aus:
Das 366-Tage-Projekt 2024 läuft im Juli gut weiter: jeden Tag ein Foto, ohne Ersatzfoto. Allerdings fotografiere ich – außer für das 365-Tage-Projekt – wie schon im Vormonat auch im Juli 2024 längst nicht so viel wie sonst. Aber ich fotografiere doch mehr als im Juni 2024 – und das liegt an den Sofortbildkameras. Durch die habe ich wieder mehr Motivation, loszuziehen und zu fotografieren. 🙂
Die Statistik für Juli 2024: 10 x Fujifilm X-E4, 7 x Fujifilm X-T5, 2 x Olympus OMD-E-M5 II, 7 x Polaroid und 5 x instax.
Meine Monatsmosaike zeige ich in einer eigenen Fotogalerie: 365 Monatsmosaike – Fotogalerie.
Ein 365-Tage-Projekt starten: Anleitung und Tipps
Wann kannst du ein 365-Tage-Projekt starten?
Du kannst dein 365-Tage-Projekt zu jedem beliebigen Zeitpunkt starten. Ich habe das Jahresprojekt (mit einer Ausnahme 2025) all die Jahre zum 1. Januar angefangen. Aber es ist egal, wann du mit deinem 365-Tage-Projekt startest. Hauptsache, du fotografierst konsequent 365 Tage am Stück.
Welche Ziele möchtest du mit einem 365-Tage-Projekt erreichen?
Es kann hilfreich sein, dass du dir bereits vor dem Start deines 365-Tage-Projekts überlegst, welche Ziele du mit deinem 365-Tage-Projekt erreichen möchtest. Halte deine Ziele am besten schriftlich fest, damit du im Laufe des 365 immer mal wieder einen Blick drauf werfen kannst.
Deine Ziele können sein:
- Kamera und ihre Funktionen besser kennenlernen, um technisch sicherer zu werden
- Kreativität fördern
- eigenen Stil finden
- Portfolio ausbauen
- etwas Neues ausprobieren
- tiefer in ein bestimmtes fotografisches Genre eintauchen (Portrait, Landschaft, Makro etc.)
Welche Themen und Genres kannst du mit einem 365-Tage-Projekt verfolgen?
Du kannst dein 365-Tage-Projekt komplett frei gestalten oder ein bestimmtes Thema oder Genre verfolgen. Du kannst dir ein bestimmtes Thema/Genre auch jeweils wochen- oder monatsweise vornehmen.
Themen/Genres können zum Beispiel sein: Farben, Froschperspektive, Unschärfe, Makro, Senkrechte, Durchblick, Spiegelungen, Texturen, Minimal, Stillleben, Architektur, Street, Portrait, Selbstportrait, Natur/Landschaft, Tiere, Schwarzweiß und mehr.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es für unkreative oder stressige Tage sehr hilfreich sein kann, eine Themen- oder Ideenliste im Hinterkopf oder im Foto-Notizbuch zu haben.
Welches Fotoequipment brauchst du für ein 365-Tage-Projekt?
Das Fotoequipment für dein 365-Tage-Projekt kannst du frei wählen. Du kannst dir vornehmen, immer mit ein und derselben Kamera zu fotografieren oder ausschließlich mit deinem Smartphone. Oder du lässt dir alle Freiheiten und legst dich überhaupt nicht fest.
Für den ersten Start eines 365-Tage-Projekts empfehle ich dir: Nimm die Kamera, die du am besten kennst und/oder mit der du am liebsten fotografierst. Konzentriere dich beim Fotografieren eher auf mögliche Motive und Themen als auf dein Equipment.
Ich halte es so, dass ich grundsätzlich mit egal welcher Kamera fürs 365-Tage-Projekt fotografiere. Ab und zu habe ich mich allerdings auch für eine Woche auf eine einzige Kamera-Objektiv-Kombination festgelegt.
Brauchst du für ein 365-Tage-Projekt eine (genaue) Zeitplanung?
Baue das Fotografieren des Tagesfotos als feste Komponente in deinen Alltag ein. Bei der genauen Zeitplanung für dein 365-Tage-Projekt kannst du nach Belieben vorgehen. Frag dich, was gut in deinen Alltag passt und was besser für dich ist: jeden Tag zu derselben Uhrzeit oder lieber spontan zu fotografieren.
Anfangs kann vielleicht auch eine automatische Erinnerung an das Tagesfoto, zum Beispiel über dein Smartphone, hilfreich sein. Versuch in jedem Fall, dir einmal pro Tag bewusst einige Minuten Zeit für dein Tagesfoto zu nehmen.
Ich selbst halte es komplett frei, wann ich das Tagesfoto mache. An manchen Tagen habe ich es bereits kurz nach dem Aufstehen im Kasten, an anderen erst auf den letzten Drücker kurz vor 0:00 Uhr.
Wie kannst du ein 365-Tage-Projekt präsentieren?
Wenn du die Tagesfotos fotografiert hast, hast du das wichtigste Ziel des 365-Tage-Projekts schon erreicht. Jetzt kannst du überlegen, ob und, wenn ja, wie du deine Fotos präsentieren möchtest.
Möglichkeiten für eine Veröffentlichung gibt es genug: online auf Instagram, bei Flickr, in die 365-Tage-Sektion der fotocommunity, in einem Fotoforum oder auf einem eigenen Blog. Oder du bleibst analog mit Papierabzügen oder einem Fotobuch.
Ich empfehle bei der Veröffentlichung eine einheitliche Dateibenennung und vor allem eine einheitliche Titelstruktur zu deinen Fotos. Am einfachsten ist beim Titel die fortlaufende Nummerierung nach dem Schema „1/365“, „2/365“ oder „1 von 365“, „2 von 365“ etc.
Dass du deine Projektfotos veröffentlichst, ist natürlich nicht zwingend notwendig. Ich empfehle es dir allerdings, weil es viel Spaß macht, Rückmeldungen zu den Fotos zu bekommen und sich mit anderen über das Projekt auszutauschen. Das kann dich zusätzlich inspirieren und motivieren.
Das Teilen muss meiner Meinung nach übrigens nicht unbedingt taggleich erfolgen. Du kannst deine Projektfotos auch später hochladen. Ich empfehle eine relativ zeitnahe Veröffentlichung von maximal zwei bis drei Wochen, damit du auch da im Flow bleibst.
Ich veröffentliche meine Fotos regelmäßig auf meinem Blog, auf meinem Instagram-Account @slom_365 sowie auf meinem fotocommunity-Account.
Außerdem habe ich inzwischen zwei Fotobücher mit meinen 365-Tage-Projekten drucken lassen: ein umfangreiches 365-Fotobuch, in dem ich meine Fotos aus neun Jahren 365 versammelt habe, und ein kleines Fotobuch mit nur einem Jahr 365-Tage-Projekt.

Was tun, wenn beim 365-Tage-Projekt die Motivation nachlässt?
Wenn du frisch in dein (vielleicht sogar erstes) 365-Tage-Projekt startest, bist du wahrscheinlich noch voller Energie und sprühst vor Ideen. Bei einem Langzeitprojekt wie dem 365 kommt aber sehr wahrscheinlich irgendwann der Tag, an dem das Projekt nicht so richtig flutscht.
„Ich habe heute nichts zu fotografieren“-Tage gehören zum 365 dazu. Wichtig ist, dass du trotzdem dran bleibst und diesen Moment überwindest. Ein wenig Planung vorab kann dir dabei helfen.
Hier ein paar der Dinge, die mir helfen, eine kreative Flaute beim 365 zu überwinden:
- Ideen- und Themenliste: Notiere dir am besten im Vorfeld, aber auch im Verlauf des 365, mögliche Motive in einer Idee- und Themenliste.
- Lieblingsort: Überlege dir, ob du einen Lieblingsort hast, an dem du gern fotografierst. Dort fällt es dir wahrscheinlich leichter, ein Motiv zu finden.
- Lieblingsfarbe: Fotografiere einen Gegenstand in deiner Lieblingsfarbe.
- Inspiration aus dem Internet und aus Fotobüchern: Hole dir Inspiration aus dem Internet oder aus Fotobüchern. Schau dir auf Instagram unter dem Hashtag #365 Fotobeispiele an.
- Austausch mit anderen 365-Fotograf*innen: Tausche dich mit anderen 365-Fotograf*innen aus. Vielleicht könnt ihr euch gegenseitig ein Thema zuspielen. Oder euch gegenseitig motivieren, durchzuhalten.
- Verlegenheitsfoto: Wenn gar nichts hilft, fotografiere ein „Verlegenheitsfoto“. So nenne ich meine Fotos von Motiven, die sich für unkreative Tage eignen. Bei mir sind das zum Beispiel Fotobücher oder auch Zines, die ich mag.
- Jahreszeiten: Fotografiere ein und dasselbe Landschaftsmotiv in unterschiedlichen Jahreszeiten. Achte darauf, möglichst immer denselben Ausschnitt zu wählen. Du musst dazu nicht in die Berge oder ans Meer fahren. Mir reicht zum Beispiel ein Baum im Hinterhof, den ich über das Jahr begleite. Ein Projekt im Projekt, das übrigens ursprünglich als Verlegenheitsfoto angefangen hat.
Ich finde es zudem hilfreich, nicht zu kritisch an das Projekt heranzugehen: Du wirst nicht jeden Tag ein Top-Foto fotografieren. Aus meiner Sicht lebt ein 365-Tage-Projekt gerade auch vom Unperfekten. Sei also bitte nicht zu streng mit dir und versuch, locker zu bleiben. Dokumentiere dein Leben oder fotografiere was auch immer und hab‘ Spaß dabei!
Das Wichtigste nochmal in Kurzform
- Hab immer eine Kamera dabei!
- Fotografiere ein Jahr lang jeden Tag ein Foto!
- Es muss nicht perfekt sein!
- Hab Spaß!













